Kulturfolger: 7 Wildtiere, die in der Stadt heimisch geworden sind

Foto: Unsplash/Erwan Hesry

Menschen gehören in die Stadt, wilde Tiere in den Wald? So einfach war das noch nie. Schon seit dem Mittelalter gibt es Kulturfolger – Spezies, denen der von Menschen veränderte Lebensraum so viele Vorteile bietet, dass sie sich fürs Big City Life entschieden haben.

1. Mauersegler

Mauersegler haben ihren felsigen Lebensraum längst gegen Stadtarchitektur eingetauscht. Sie brüten in Mauernischen oder unter Dächern, den Rest ihres Lebens verbringen sie fliegend in der Luft. Ihre von „Sssrrri Ssrrrrii“ begleiteten Sturzflüge über Hinterhöfen und Straßen sind selbstverständlicher Teil von lauen Sommerabenden. Was Mauerseglern das Stadtleben mittlerweile jedoch schwer macht, ist die Architektur. Genauer gesagt, die Tendenz zum fugenlosen Neubau. An Glasfassaden und porenlos versiegelten Gebäudeoberflächen finde die Vögel keine Fugen und Ritzen mehr zum Nisten.

2. Turm- und Wanderfalken

Auch Raubvögel mögen die Häuserfelsen der Stadtlandschaft. Turmfalken tragen ihren menschennahen Wohnort schon im Namen – sie brüten in Kirchtürmen und jagen ihre Beute aus Kleinsäugern in der offenen Feldmark, aber auch in Parks, Friedhöfen und Brachflächen. Auch die seltenen Wanderfalken (die gerne mal den einen oder anderen Mauersegler snacken) brüten neuerdings auf und in Kirchtürmen, Kraftwerken, Schornsteinen und mit ein bisschen menschlicher Nachhilfe sogar auf Hochspannungsmasten so wie in diesem Beispiel aus Hamburg.

3. Wildschweine

Ob Falken oder Mauersegler über ihnen durch die Luft jagen, mag weniger naturverbundenen Städter:innen nicht auffallen. Aber wenn eine Rotte Wildschweine ein Kaufhaus stürmt, wie 2020 in Dinslaken, oder eine Bankfiliale „überfällt“ wie 2017 in Heide (Holstein), macht das Schlagzeilen. Auch nach Berlin sind Wildschweine vorgedrungen – da musste die Polizei schon einmal eine Straße in Zehlendorf sperren, damit die Schweine sicher auf die andere Seite kommen. Der Grund für die Nähe ist das für die Allesfresser in der Stadt einfach zu erreichende Futter. So richtig lustig ist das für die menschlichen Beteiligten allerdings nicht – Wildschweine können ziemlich aggressiv werden, wenn sie sich oder ihren Nachwuchs bedroht sehen.

4. Steinmarder

Der Marder gehört eigentlich auch in den Wald und nicht auf den Dachboden (wo er sich zum Teil lauter bemerkbar macht als die partywütigsten Nachbar:innen) oder kabelknabbernd in den Motorenraum eines Autos. Als Kulturfolger, der schon im Mittelalter herausgefunden hat, dass es in Menschennähe ein reiches Nahrungsangebot aus Mäusen und anderen Kleinsäugern gibt, ist er heutzutage auch in Großstädten unterwegs.

5. Biber

Vom in Deutschland nahezu ausgestorbenem Wildtier bis in den Hamburger Hafen. Der Biber hat es die Elbe hinaufgeschafft. Lange gab es nur Restpopulationen in Sachsen-Anhalt, dann waren die bautüchtigen Nagetiere 2002 elbaufwärts aktiv. 2010 wurde der erste Biberbau auf Hamburger Stadtgebiet entdeckt. Stand 2020 sollen sie sogar im Hafen der Hansestadt unterwegs sein. Auch wenn der Tidenhub der Elbe den Tieren nicht gefällt, da sie ihre Burgen bei schwankendem Wasserstand nicht bauen können. In einem Naturschutzgebiet hinter den Elbdeichen haben sich die Biber jedoch schon angesiedelt und auch in den Becken des alten Wasserwerks Kalkhofe sind sie unterwegs. Derzeit sieht es so aus, als ob sie sich mit den Gezeiten arrangieren und als erste „Tide-Biber“ Deutschlands demnächst noch weiter in den Hafen vordringen.

6. Waschbären

Kassel kennt man vom Umsteigen am Bahnhof Wilhelmshöfe und alle fünf Jahre als Austragungsort der documenta. Und mittlerweile auch als bundesdeutsche Waschbärenhauptstadt. Die Neozoen (unter Menscheneinfluss eingewanderte Spezies) werden in Hessen aber nicht nur mit wohlwollenden Augen gesehen. Die aus Nordamerika stammenden Kleinräuber mit den schwarzen Gangstermasken machen Gärten, Parkplätze oder Biergärten unsicher und zerlegen auf der Suche nach Nahrung Dachböden, Mülltonnen und auch mal ein Büro. In der FAZ wird der Landesjagdverband Hessen mit einer Zahl von 100 Tieren auf 100 Hektar zitiert.

7. Halsbandsittiche

Wer in Köln in die Baumkronen guckt, kann stutzig werden. Neben Krähen, Tauben und Spatzen flattern in der Domstadt auch grüne Papageien durch Parks und Gärten. Halsbandsittiche, eigentlich in Afrika südlich der Sahara und in Indien beheimatet, sind seit 1969 in Köln nachgewiesen und inzwischen auch in anderen deutschen Großstädten unterwegs. Ursprung des Booms waren vermutlich freigelassene Vögel aus Privatbesitz. Etwa 2.700 Sittiche soll es (Stand 2019) in der Stadt geben, im Bundesland NRW über 4000. Auch in Mainz und Wiesbaden sind Sittiche mittlerweile unterwegs. Ähnlich wie bei den Stadttauben sind sich die Bewohner:innen auch hier nicht einig, ob die geflügelten Neozoen eine Plage oder einen selbstverständlichen Teil der Stadtfauna darstellen.

Martina

Mag Architektur, Tiere und Internetkultur

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