Buchrezension: „Geh raus! Deine Stadt ist essbar“ – Der Ratgeber fürs Foraging

Foto: Christina Grevenbrock

Wie das Leben so spielt: Kaum hatte ich angefangen, mich mit dem Thema Foraging auseinanderzusetzten, spült mir das Leben allerhand Passendes zum Thema in die Hände. Kurze Zeit später fällt mir der überaus hilfreiche Ratgeber „Deine Stadt ist essbar“ vor die Füße.

Das bereits 2017 erschienene Buch „Deine Stadt ist essbar“ ist randvoll mit Wissenswertem und Nützlichem zum Thema „essbare Stadt“ und Foraging. Kein Wunder, haben sich hier doch zwei der profiliertesten deutschsprachigen Nachhaltigkeitsblogs smarticular und mundraub zusammengetan, um ihre Expertisen zu kombinieren.

Worum geht es?

Der Untertitel verrät schon, dass es um „36 gesunde Pflanzen vor deiner Haustür und über 100 Rezepte, die Geld sparen und glücklich machen“ geht. Das ist ja schon mal ein steiles Versprechen. Tatsächlich behandelt das Buch eine überschaubare und überzeugende Auswahl an essbaren Pflanzen.

Einerseits überfordert die Menge von 36 Stück auch Anfänger:innen nicht und es sind überwiegend gut und einfach identifizierbare Pflanzen, die wirklich in jeder Stadt zu finden sind. Außerdem sind sie so ausgewählt, dass man aus der Auswahl das ganze Jahr über ernten kann – so verrät es der praktischer Saisonkalender im Umschlag.

Das Ganze wird grob vorsortiert nach Bäumen, Sträuchern und Wildkräutern. Zur besseren Auffindbarkeit helfen farbige Marker am Seitenrand. Jede Pflanze wird mit Fotografien und einem kurzen allgemeinen Informationstext vorgestellt und es werden den Leser:innen gleich zwei bis drei Rezeptideen mit auf den Weg gegeben.

Rezept-Experimente stehen noch aus

Ob die Rezepte halten, was sie versprechen, kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Die meisten lesen sich auf jeden Fall lecker, und auf selbstgemachte Maronencreme freue ich mich schon sehr. Ob sie jedoch hält, was sie verspricht, wird man erst zu gegebener Zeit hier nachlesen können.

Insgesamt scheint mir die Sammlung aber eine gute Mischung aus einfachen Basics wie etwa Felsenbirnenquark, Smoothies und Ähnlichem sowie ausgefalleneren Rezepten zu sein. Ob ich mir die wochenlange Zubereitung von schwarzen Walnüssen zutraue, weiß ich noch nicht, aber die Tschurtschchela – Georgische Walnüsse in einer Art Traubensirup – klingen hervorragend!

Eine Marone liegt in ihrer Stacheligen Schale auf dem WaldbodenQuelle: Christina Grevenbrock
Auf die Maronenernte freue ich mich dieses Jahr dank „Geh raus!“ noch ein bisschen mehr als sonst!

Wie kann man das Buch nutzen?

Insofern ist der Ratgeber einfach ein praktisches Tool, um gleich mit dem Ernten loszulegen. Man schaut in den Saisonkalender, guckt sich die infrage kommenden Pflanzen an und zieht entweder frei auf einen Entdeckungsspaziergang oder schaut vorher gezielt auf mundraub.org, ob und wo die Pflanze der Wahl schon von anderen Nutzer:innen gesichtet wurde. Anschließend wählt man ein Rezept aus und kann die Ernte gleich verkochen. Ein Rundum-Sorglos-Paket also.

Aber „Geh raus!“ kann noch mehr. Die Autor:innen geben zahlreiche allgemeine Tipps – unter anderem habe ich großartige Lösungen für das Hundeklo-Problem nachlesen können, dass das Ernten von bodennahen Pflanzen in der Stadt zu einer nervenaufreibenden Sache macht. Sie raten zum Sammeln in eingezäunten Leinenpflichtbereichen wie Spielplätzen und Friedhöfen. Da muss man auch erst drauf kommen.

Hinter dem Buch steht eine Vision: möglichst viele Städte sollen essbare Städte werden. Auch dabei liefert „Geh raus!“ Unterstützung. In Kapiteln wie „Städte essbarer gestalten“ werden gleich noch zahlreiche Tipps und Ideen hinterhergeschoben, wie man seine eigene Stadt essbarer gestalten kann, indem man essbare Pflanzen vermehrt und mit Kommunen und Institutionen anregen kann, Obststräucher und Co statt langweiliger Bodendecker zu Pflanzen.

Fazit

Kaum zu glauben, wie viel Nutzen man hier für 14,95€ und knapp 200 Seiten Text bekommt! Der Ratgeber macht definitiv Lust – Lust auf die nächste Erntetour, aber auch, die eigene Stadt ökologischer, nachhaltiger und essbarer zu gestalten. Hut ab!

Christina

Mag Kunst, Gemüse und Nachhaltigkeit.

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