Was ist eigentlich… Urban Mining?

Zu sehen sind alte Backsteine, die wieder verwendet werden sollen.
Foto: Anja Manneck

Urban Mining versteht die Stadt als Rohstofflager – alte Ziegel und Holz aus abgerissenen Gebäuden, aber auch Teppich und leere PET-Flaschen dienen als Ressourcen, aus denen neue Bauwerke entstehen. Das klingt nach utopischer Zukunftsmusik, ist vielerorts aber schon längst Realität – hier erfahrt ihr mehr:

Sonntag, 11.30 Uhr, Zeit für die Sendung mit der Maus. Obwohl wir uns schon lange für Nachhaltigkeit interessieren, ist uns das Thema der heutigen Sendung neu: Urban Mining. Was das eigentlich ist, ist nicht nur für unseren Dreijährigen spannend, sondern auch für alle, die sich mit Bauen, Wohnen, Zero Waste und Umweltschutz befassen.

Ressourcen aus dem Gewerbe der Stadt

Urban Mining bedeutet übersetzt „Bergbau in der Stadt“ – und betrachtet die Stadt dementsprechend als Rohstofflager für Baumaterial. Der urbane „Bergbau“ bringt Wertstoffe in einen Kreislauf, anstatt dass für jedes Bauwerk neue Ressourcen angekauft werden müssen. Denn schon heute lagern in Deutschland mehr Rohstoffe auf Deponien als unter der Erde.

Was bei Metallen allein wegen ihrer Preise auf der Hand liegt, gilt auch für Steine und andere Materialien, bei denen die (Wieder-)Verwendung beim Bau erst einmal nicht so offensichtlich ist, z.B. PET-Flaschen, aus denen Straßen oder isolierende Bausteine hergestellt werden können. Besonders gut funktioniert das Prinzip bei Ziegelsteinen. Sie gehören mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 125 Jahren zu den langlebigsten Baustoffen. 10% der Ziegel werden sogar mehr als 250 Jahre verwendet.

Quelle: ©SWNH
Altes Holz als neue Fassade – für die Außenfassade der Stadtwerke Neustadt in Holstein musste kein Baum gefällt werden

Die vier Säulen des Urban Mining

Der Urban-Mining-Blog definiert vier zentrale Säulen des Wiederverwertens baulicher Ressourcen:

  • Zunächst einmal muss das geplante Design auch zu den vorhandenen Sekundärrohstoffen passen bzw. müssen die Rohstoffe so gestaltet sein, dass sie auch wieder zu verwerten sind.
  • Es bedarf eines Ressourcenkatasters, um die Informationen über die Baustoffe zu bewahren,
  • sowie urbaner Prospektion, also Methoden zum Finden und Bewerten städtischer Lagerstätten,
  • und zuletzt braucht es die entsprechenden Technologien, um die verbauten Ressourcen zurückzugewinnen.

Ein Beispiel für Urban Mining: Die Stadtwerke Neustadt

Ein Beispiel für einen mithilfe von Urban Mining entstandenen Bau ist der Neubau der Stadtwerke Neustadt in Holstein. Hier wurden nachhaltige Elemente eingefügt, obwohl der Planungsprozess zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits abgeschlossen war.

Die Außenfassade besteht aus alten Eichenholzbalken, der Teppich im Eingangsbereich aus recycelten Fischernetzen und Trennwände stammen aus einem Hamburger Hochhaus. Selbst in den Toiletten wurden alte Baustoffe wieder verwendet. Was zunächst für Irritationen sorgte, ist heute ein Gesprächsanlass, weil viele mit den bunten Kacheln Erinnerungen verbinden, erklärt uns Sabine Grell von den Stadtwerken.

Zu sehen ist ein Fliesenspiegel alter Fliesen aus den 1960er bis 70er Jahren mit einem Waschbecken.Quelle: © IBUS Architekten GmbH
Gebrauchte Fliesen wecken Erinnerungen. Hier im Waschraum der Stadtwerke Neustadt i.H.

Nachhaltige Baustoffe aus organischen Materialien

Nachhaltiges Bauen funktioniert nicht nur mit recycelten, sondern auch mit nachwachsenden Rohstoffen. In diese Richtung geht zum Beispiel die Entwicklung neuer und nachhaltiger Baustoffe aus Naturmaterialien wie Bambus und Pilzmyzelium, das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der ETH Zürich als Baustoff erforscht wird.

Der sogenannte Glänzende Lackporling, der verwendete Pilz, setzt Cellulose in Chitin um und wächst in wenigen Tagen. Anschließend wird das Myzel, also das Pilzgewebe, in die gewünschte Form gebracht, verdichtet und getrocknet. Herauskommen gut isolierende, leichte Bausteine.

Zu sehen ist ein baumartige Plastik aus Pilzmyzelium und Bambus, die bei der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017 präsentiert wurde. Die Entwicklung erfolgte durch Forscher:innen des KIT Karlsruhe.Quelle: Carlina Teteris)
Dieser “Pilzbaum” ist eine selbsttragende Struktur aus Pilzmyzelium und Bambus, gezeigt bei der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017, entwickelt Forscher:innen des KIT.

Wo finde ich Urban Mining?

Anja

Mag Nachhaltigkeit, Reisen, Menschen und Kinder.

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