7 Dinge, die die Stadt nicht braucht

Unterführung in Berlin Steglitz-Zehlendorf mit grauen und orangenen Betonstreifen im Stil der 70er Jahre
Foto: Martina John

Wir lieben unsere Städte – aber leider gibt es genügend Phänomene, die zeigen, wie weit wir noch immer von der Solarpunk-Metropole unserer Träume entfernt sind. Daher hier die gesammelte Liste aus der Giersch-Redaktion, was alles besser heute als morgen aus den Städten verschwinden sollte.

1. Parkreinigung mit Laubbläsern

Ob Laubbläser oder Laubsauger, sie sind ein dauerhaftes Ärgernis. Sie sind laut, stinken und zerstören kleine und kleinste Lebewesen. Statt zu harken oder fegen, wird Energie für etwas aufgewandt, das der Wind ganz von alleine schafft. Gerade in Norddeutschland also völlig unnötige Geräte. Wege können mit Muskelkraft von Laub befreit werden. Beeten und Grünflächen tut eine Laubdecke übrigens auch gut, weil es Nährstoffe in den Boden zurückbringt. Lasst das Laub liegen!

2. „Hostile Architecture“

Wer sich schon einmal gewundert hat, warum Bänke in Parks oder auf Bahnhöfen eine unnötige Mittellehne haben, um die Sitze voneinander zu trennen, und warum unter Brücken und in Nischen vor Bankfilialen oder Einkaufszentren große Steinbrocken oder gar Spikes installiert werden – die Antwort lautet “hostile Architecture” (feindliche Architektur). Mit diesen auch als “defensiven Architektur” oder “unpleasant Design” bekannten Strukturen  sollen Obdachlose davon abgehalten werden, an solchen Orten zu schlafen oder sich länger aufzuhalten. Das Problem mit Wohnungsnot löst sich sicher nicht dadurch, dass wohnungslosen Menschen das Leben noch schwerer gemacht wird, als es eh schon ist.

3. Das nächste neu gebaute luxuriöses Einkaufszentrum

Pandemie, Onlineshopping und Innenstadt-Ladensterben zum Trotz – noch immer werden neue Malls errichtet, so wie das Einkaufszentrum, das in der Hamburger Hafencity entstehen soll. Was fancy als  “Einkaufserlebnis” beworben wird, bedeutet am Ende doch die immer gleichen Ketten, mal niedrig- mal hochpreisiger und oft nach wenigen Monaten oder Jahren bereits wieder leer stehende Ladenlokale.

4. Noch mehr Autobahnen wie die Verlängerung der A100 in Berlin

Unsere Straßen sind verstopft, parkende Autos verstellen immer mehr vom öffentlichen Raum und die Luft ist voller Abgase und Feinstaub. Das ist weder gesundheitsfördernd noch klimafreundlich. Eigentlich ist klar: Wir brauchen weniger MIV (mobilisierten Individualverkehr) in der Stadt.

Ein Bauprojekt in Berlin wirkt deswegen besonders aus der Zeit gefallen: die Verlängerung der Stadtautobahn A100. Auf einem Abschnitt (#16, Dreieck Neukölln – Treptower Park) wird schon gebaut. Ein weiterer Abschnitt (#17 Treptower Park – Storkower Straße) ist geplant – wie es hier weitergeht, ist nach den Wahlen in Berlin und im Bund noch nicht ganz klar. Mehr Informationen, Proteste gegen diesen Irrsinn und mögliche Alternativen findet ihr beim Aktionsbündnis A100 Stoppen!

5. Begrünung ohne Mehrwert

Kein Mensch und kein Tier brauchen dekorative Begrünungen voller hübscher Pflanzen, die keinen weiteren Mehrwert als die Optik haben. Zum Beispiel Blumen, die zwar hübsch bunt sind, in denen gefüllten Blüten jedoch keine Biene Nektar findet. Was die Stadt braucht, sind mehr einheimische Pflanzen, die Tieren Lebensräume bieten und im Idealfall sogar Nahrung für Mensch und Tier liefern. Ein Hoch auf Haselbusch, Apfelbaum, Bienenwiesen und Co!

Mehrere Hochhäuser mit Glasfassade in New York vor blauem Himmel.Quelle: Martina John
Wolkenkratzer aus Glas sehen schick und futuristisch aus – sofern die Frage nach der Energieeffizienz geklärt ist

6. Einheitsarchitektur aus Glas und Sandstein

Ob Berlin, London oder New York – wenn neu gebaut wird, sieht es in den Metropolen der westlichen Welt oft ziemlich gleich aus: sleeke Glasfassaden und neopreußische Sandstein-Monotonie prägt das Stadtbild. Nicht nur sieht das langweilig aus, an den glatten Oberflächen fehlen die Ritzen und Winkel, die urban lebenden Vögeln wie dem Mauersegler Nistmöglichkeiten bieten, – sofern nicht mit Nisthilfen nachgebessert wird.

Transparente Wolkenkratzer mögen zwar schick futuristisch aussehen, stehen in Sachen Emissionen und Energiebilanz aber bereits seit einiger Zeit in der Diskussion. 2019 sollte der Neubau von Glas-Wolkenkratzern in New York City sogar verboten werden – durchgesetzt hat sich das Verbot zwar nicht, zumindest strengere Energieeffizienz-Auflagen sollen für die gläsernen Highriser aber folgen. Unvergessen ist auch das “Walkie Talkie” genannte Hochhaus in London, dessen Glasfassade das Sonnenlicht während der Bauzeit 2013 so reflektierte, dass genug Wärme entstand, um die Plastikteile eines parkenden Autos zu schmelzen.

7. Die drölftausendste Billigkette

Geiz ist geil? Für wen denn eigentlich? Eins ist klar: Tedi, Action, Primark, Rusta und wie sie alle heißen machen Städte nicht interessanter und die sozialen und ökologischen Konsequenzen an ihren Produktionsstätten kann auch niemand ernsthaft wollen. Stattdessen machen inhaber:innengeführte Läden mit eigenständiger Produktpalette, nachhaltige und/oder lokal gefertigte Waren das Einkaufserlebnis zu etwas Besonderem. Und in der besten aller Welten könnten sich auch alle Stadtbewohner:innen den Einkauf in diesen Läden leisten…

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