Insekten im Frühling: So startet das Insektenjahr

Ein buntes Tagpfauenauge auf Sandboden
Foto: Julia Lenz

Ein leises Summen auf den Wiesen, ein Krabbeln auf den Gehwegen, spätestens aber der erste Mückenstich des Jahres verraten deutlich: Die Insekten sind wieder da! Aber wo waren sie hin? Und wer sind die hart gesottenen Bienen, Käfer und Schmetterlinge, die trotz noch immer eiskalter Nächte schon unterwegs sind?

Insekten in der Winterstarre

Viele der ersten Insekten im Jahr sind deswegen so früh unterwegs, weil sie den Winter als ausgewachsene Tiere in Winterquartieren verbracht haben. Wer genau hinschaut, kann überwinternde Insekten unter Laub, an Grashalmen oder unter der Rinde von abgestorbenen Bäumen finden.

Mit etwas Glück können an wärmeren Tagen Käfer beobachtet werden, die unter der Rinde hervorkommen. So wie der Goldglänzende Laufkäfer, den ich Anfang des Jahres bei einem Heidespaziergang entdeckt habe.

Ein goldgrün schillernder Laufkäfer auf einer menschlichen HandQuelle: Julia Lenz
Diesen Goldglänzenden Laufkäfer (Carabus auronitens) entdeckte ich an einem warmen Wintertag in der Heide.

Um sich dabei vor der Kälte zu schützen, haben einige Arten wie der Zitronenfalter eine Art körpereigenes Frostschutzmittel entwickelt. Das verhindert das Gefrieren der Körperflüssigkeit und ermöglicht, dass sie schon früh im Jahr bei passenden Temperaturen erscheinen können. Gern suchen die überwinternden Falter aber auch die Nähe zu Gebäuden, um dort zum Beispiel in Kellern, Schuppen oder auf Dachböden frostfrei in Kältestarre verbringen zu können. Dazu gehören das Tag-Pfauenauge oder der Kleine Fuchs. Zu warm darf es dabei aber auch nicht sein, denn die Kälte wird benötigt, um Energie zu sparen, bis im Frühjahr wieder ausreichend Nahrung zur Verfügung steht.

Wanderfalter auf Winterreise

Einige Falter umgehen dieses Problem einfach und fliegen davon, um den Winter an wärmeren Orten zu verbringen. Anders als viele Zugvögel kommen sie allerdings nicht im Frühjahr zurück, sondern legen ihre Eier im Winterquartier ab und sterben. Bei den Faltern, die wir im folgenden Jahr zu sehen bekommen, handelt es sich dann bereits um die nächste Generation.

Zu den Wanderfaltern gehören bei uns z. B. Admiral und Distelfalter. Die meisten heimischen Arten überwintern aber im Ei oder als Raupe, wie ich neulich wieder feststellen musste, als eine Raupe der Achat-Eule sich in meine Küche verirrte (übrigens auch ein Wanderfalter, bei dem aber einer kleiner Teil der Population nicht gen Süden fliegt).

Ein buntes Tagpfauenauge auf SandbodenQuelle: Julia Lenz
Das Tag-Pfauenauge (Aglais io) überwintert gern in Menschennähe.

So starten Bienen und Hummeln ins Frühjahr

Besonders auffällig im Frühjahr (finde ich zumindest) sind die ersten Bienen und Hummeln im Jahr. Diese Gruppe hat trotz ihrer Ähnlichkeiten sehr unterschiedliche Strategien zur Überwinterung entwickelt. Während Honigbienen sich gegenseitig und die Königin über den Winter warmhalten, in dem sie dicht gedrängt eine Traube um die Königin bilden, überleben bei Hummeln nur die Jungköniginnen den Winter und sind bereits ab März laut brummend auf der Suche nach einem Platz zur Gründung eines neuen Volkes.

Wieder anders verhält es sich bei den solitärlebenden Wildbienen. Während die meisten Wildbienen, die später im Jahr aktiv sind als Larven in ihrer Brutzelle überwintern, überwintern einige frühe Arten als Puppe oder sogar als flugfähiges Insekt wie die Frühlings-Seidenbiene, eine unserer frühesten Bienen im Jahr.

Eine braune Wildbiene auf SandbodenQuelle: Julia Lenz
Die Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius) ist auch im städtischen Raum häufig zu beobachten.

Und während manche Wildbienen sich im Herbst unabhängig von ihren Artgenossen einen Platz für die Brutkammer des überwinternden Nachwuchs suchen, siedeln wieder andere in Kolonien mit dicht beieinander liegenden Brutkammern wie in einer Reihenhaussiedlung. Dazu gehört die Gemeine Sandbiene, die auch zu unseren ersten und aktuell relativ häufig zu sehenden Wildbienen gehört. Neben den genannten Bienenarten sind auch die auffälligen Mauerbienen (Rostrote Mauerbiene und Gehörnte Mauerbiene) sowie die schillernden, blaugeflügelten und besonders großen Holzbienen im zeitigen Frühjahr zu beobachten.

Bei vielen solitären Wildbienenarten schlüpfen die Männchen als erstes und sind dann beim langsamen Umherstreifen in der Gegend, auf Brautschau, zu beobachten. Die Weibchen folgen kurze Zeit später, paaren sich, bauen Brutkammern und der Zyklus beginnt von vorn.

Eine gemeine Feuerwanze auf grauem SteinbodenQuelle: Julia Lenz
Die Gemeine Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus) ist an warmen Tagen auf Mauern und Wegen zu sehen.

Feuerwanzen in der Frühlingssonne

Zum Schluss möchte ich noch mal ein Insekt aus der Gruppe der Wanzen beleuchten, dass an warmen Tagen ab Mitte März gern auf Gehwegen und Mauern sitzt und zumindest in meiner Wohngegend einer der ersten klassischen Frühlingsboten ist.

Feuerwanzen sind nicht nur in den warmen Jahreszeiten ziemlich gesellige Tierchen, auch im Winter kommen sie „gehäuft“ vor. Oder mit anderen Worten: Sie überwintern in schützender Laubschicht oder unter Sträuchern in riesigen Klumpen von bis zu 100 Tieren und bewahren sich so gegenseitig vor der Kälte.

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