Plastikfasten – ein etwas anderer „guter Vorsatz“

Eine Notizbuchseite auf der Regeln zum plastikfreien Tag notiert sind
Foto: Anja Manneck

Traditionell beginnt mit dem Aschermittwoch für Christ:innen die Fastenzeit. Besonders religiös bin ich zwar nicht, aber mich reizt die Idee, für eine begrenzte Zeit bewusst auf etwas zu verzichten. Dieses Jahr soll es ein ungewöhnliches Projekt werden: Meine Familie und ich wollen Plastik fasten. Aus welchem Grund und wie das aussehen soll, erzähle ich hier.

Sieben Wochen ohne ist eine Aktion der evangelischen Kirche während der Fastenzeit. Dieses Jahr will ich mit meiner Familie in dieser Zeit unseren Hausmüll reduzieren, indem wir einen Tag in der Woche plastikfrei gestalten.

Beim Fasten geht es mir nicht in erster Linie um den Verzicht. Ursprünglich hat mich eine Freundin darauf aufmerksam gemacht und im Laufe der Jahre habe ich einiges ausprobiert, z.B. sieben Wochen ohne Hosen, in denen ich also nur Röcke und Kleider trug, oder sieben Wochen ohne Konsum, in denen ich mein Kaufverhalten reflektierte. Ich erlebe in dieser Zeit Verhaltensweisen und Gewohnheiten bewusster und gehe oft kreativer mit ihnen um. Dieses Jahr wollen wir als Familie gemeinsam unser Nachhaltigkeitsprojekt angehen.

Ein gut gefüllter gelber Sack steht auf einem gefliesten Küchenboden.Quelle: Anja Manneck
Unser Müll soll weniger werden! Das Plastikfasten soll uns helfen, unseren Verpackungsmüll langfristig zu minimieren.

Warum Plastikfasten?

2019 gab es in Deutschland 6,3 Mio t Kunststoffmüll – der jahrelang andauernde Aufwärtstrend wird durch die Corona-Pandemie noch verschärft. Pro Kopf entspricht das einem Verbrauch von 76 kg, von denen 38 kg auf Verpackungen entfallen.

Nun rühmt sich das Umweltbundesamt zwar damit, dass die Abfallwirtschaft Kunststoffabfälle nahezu „vollständig verwerte“. Das bedeutet aber auch, dass mehr als die Hälfte (53%) „energetisch“ verwertet wurden – sie wurden also verbrannt. Der Recyclinganteil beträgt nur rund 46%. Bedenkt man, wie viel Energie und Ressourcen in die Herstellung von Kunststoffen investiert wird, ist das erschütternd wenig nachhaltig.

Hier sehe ich einen Teil der Verantwortung bei mir als Verbraucherin – denn mein Feldsalat wächst nicht in einer Plastikverpackung. Durch mein Kaufverhalten hoffe ich, einerseits ein bisschen weniger Müll in die Umwelt zu entlassen und bei Herstellern auf Dauer ein Umdenken zu bewirken.

Der Plan: Plastikfrei, aber umsetzbar

Obwohl wir in unserer Familie generell bereits viel auf alternative Materialien wie Emaille setzen, ist es schlicht nicht möglich, unser ganzes Leben ohne Kunststoffe zu gestalten. Manches lässt sich nicht austauschen. So toll Holzbauklötze sind, Lego ersetzen sie nicht, um ein Beispiel aus dem Kinderzimmer zu nennen. Es macht auch wenig Sinn, funktionelle Frühstücksboxen zu entsorgen, um neue Metalldosen zu kaufen.

Es geht also weniger um das Aussortieren regelmäßig genutzten Plastiks, sondern um das Vermeiden von Verpackungen und Einwegkunststoff. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Mehrfachverpackungen: In Plastik eingewickelte Pralinen, die in einem Blister aus Plastik in einer Plastikschachtel liegen, die zum Schutz vor Feuchtigkeit noch einmal mit Plastik umwickelt ist, sind eben einfach nicht müllarm.

Weil wir uns nicht überfordern wollen, entscheiden wir uns für einen Tag in der Woche. Da jeder Wochentag eine andere Herausforderung für uns birgt, wollen wir „in den Wochentagen rückwärts gehen“. Wir beginnen direkt am Aschermittwoch, in der folgenden Woche versuchen wir an einem Dienstag plastikfrei zu leben, etc. So werden wir in der Fastenzeit alle Wochentage durchlaufen und feststellen, was uns in verschiedenen Situationen leicht, was uns schwer fällt und was wir am Ende in unseren Alltag übertragen können.

Die Regeln: So funktioniert unser Plastikfasten

Ganz ohne Kunststoffe geht es nicht – mitten in der Pandemie brauchen wir Masken und das Baby trägt Wegwerfwindeln, um nur zwei Beispiele zu nennen. Also brauchen wir Regeln:

  • Keine Kunststoffe kaufen: An unseren plastikfreien Tagen wollen wir keine Kunststoffe kaufen. Dazu gehören u.a. Verpackungen, Spielzeug, Pflanzgefäße. Wir sehen uns nach Alternativen oder Unverpacktem um.
  • Keine Kunststoffe entsorgen: Unsere Müllmenge soll kleiner werden. Mancher Einwegkunststoff findet vielleicht auf den 2.Blick noch eine weitere Verwendung.
  • Ausnahmen: Aktuell können wir den Verbrauch von Windeln, Hygieneartikel und im weiteren Sinne medizinischem Material, wie Schnelltests und Masken, nicht vermeiden (und wollen das auch nicht). Diese werden wir in unserer Bilanz nicht notieren. Bereits angebrochene Lebensmittel in Plastikverpackungen brauchen wir trotzdem auf, sie sollen ja nicht verderben.
  • Dokumentieren: Wir schreiben auf, welcher Plastikmüll an unseren plastikfreien Tagen angefallen ist, was wir vermeiden konnten bzw. wo wir Alternativen gefunden haben.
  • Evaluieren: Am Ende wollen wir eine Bilanz ziehen. Welche Ideen hatten wir? Wo lagen generelle Probleme? Was haben wir erreicht?

Wie es weitergeht, erzähle ich euch am Ende der vierzig Tage.

Fastet Ihr selbst? Oder habt Ihr Tipps für mich? Ich freue mich auf einen Austausch in den Kommentaren.

Anja

Mag Nachhaltigkeit, Reisen, Menschen und Kinder.

1 Kommentar

  1. […] Ausführlich findet ihr unseren Ansatz hier beschrieben. […]

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