Naturblick-App: Pflanzen und Tiere in der Stadt bestimmen

Eine Smartphone-Kamera wird auf einen Zweig gerichtet, um eine Pflanze mit der Pflanzenbestimmungs-App Naturblick zu bestimmen.

Corona hin oder her: Spazierengehen ist voll mein Ding. Vor allem, wenn ich dabei etwas Neues entdecken kann. Mit einer Pflanzenbestimmungs-App ist der Spaß besonders groß. Apps helfen mir dabei, die Augen offen zu halten und das Unkraut im Rinnstein in neuem Licht zu sehen. Aber welche App ist die beste? Das versuche ich dieses Jahr herauszufinden. Dieses Wochenende habe ich die Naturblick-App für euch getestet.

Natur kennen lernen, Natur schätzen lernen: Eine kostenlose App soll Awareness schaffen

Naturblick ist ein Projekt des Museums für Naturkunde Berlin. Mithilfe der App sollen Stadtbewohner.innen in die Lage versetzt werden, Tiere und Pflanzen einfach zu bestimmen und die Natur in ihrer Nachbarschaft kennenzulernen. Neben der Vermittlung von Umweltbildung geht es den Macher:innen vor allem darum, die Aufmerksamkeit der User:innen für die urbane Flora und Fauna zu schärfen. Denn bevor wir dazu bereit sind, etwas zu schützen, müssen wir wissen, dass es überhaupt existiert. 

Screenshot des Startbildschirms der App NaturblickQuelle: Screenshot: Eva Karnowski
Vogelstimmen aufnehmen, Pflanzen und Tiere anhand von Merkmalen bestimmen und Pflanzen anhand von Fotos automatisch bestimmen lassen: Das sind die wichtigsten Funktionen der Naturblick-App. Screenshot: Eva Karnowski

Was kann die App?

Auf einem langen, sonnigen Sonntagsspaziergang habe ich die Naturblick-App getestet und herausgefunden, was daran gut ist und was besser sein könnte:

Pro: 

  • Einfach zu bedienen: Die Nutzung der App ist simpel und intuitiv.
  • Funktioniert auf allen Smartphones: Die App ist kompatibel mit iPhone und Android.
  • Du bestimmst, wie du Pflanzen bestimmst: Entweder du machst einen Bild-Scan (Foto), oder du bestimmst die Pflanze anhand ihrer Merkmale. Beides hat seine Vorteile. Der Bild-Scan geht schnell und automatisch. Die Bestimmung anhand von Merkmalen animiert dazu, die Pflanze genauer unter die Lupe zu nehmen. Außerdem vermittelt diese Art der Nutzung ein Verständnis dafür, wie Pflanzenbestimmung grundsätzlich funktioniert. 
  • Nicht nur Pflanzen, auch Tiere kennenlernen: Neben Pflanzen kannst du mit der Naturblick-App auch eine Reihe an Tieren bestimmen, darunter Amphibien, Bienen, Wespen & Co, Reptilien, Säugetiere, Schmetterlinge und Vögel. 
  • Vogelstimmen aufzeichnen: Vogelarten kannst du zusätzlich bestimmen, indem du ihre Stimme aufnimmst.
  • Beobachtungen festhalten: In deinem persönlichen Feldbuch kannst du notieren, welche Beobachtung du wann und wo gemacht hast. Ich nutze es vor allem zum Nachschlagen, wenn mir ein Name entfallen. 
  • Du unterstützt die Forschung: Die Naturblick-App unterstützt Citizen Science Projekte, die sich mit der Verbreitung von Nachtigallen, Igeln und Walnussbäumen beschäftigen. Beobachtungen, die sich auf diese Pflanzen- oder Tierarten beziehen, werden auf Plausibilität geprüft, auf einer Deutschlandkarte verzeichnet und dienen Wissenschaftler:innen für weitere Forschungsprojekte.

Contra: 

  • Wenige Pflanzen werden erkannt: In der Pflanzendatenbank sind 357 Arten hinterlegt. Pflanzen, die nicht darunter fallen, können nicht bestimmt werden. Zum Vergleich: Die Datenbank der Konkurrenz-App Pl@nt-Net enthält 30.000 Pflanzenarten. Außerdem enthält die Datenbank nur Pflanzen aus den Kategorien „Laubbäume und Ginkgo“ und „Kräuter und Wildblumen“. 
  • Funktioniert nur in der Stadt: Die Pflanzendatenbank konzentriert sich auf Arten, die in deutschen Städten auftreten. In der Innenstadt, in Parks und an Lost Places leistet die App gute Dienste. Wer auf dem Land, im Wald oder im Ausland Pflanzen bestimmen will, hat schlechte Karten.

Zwischenfazit: Top-App für Einsteiger:innen und Digital Immigrants 

Die Expedition mit der Naturblick-App war ein großer Spaß! Im Vergleich zu anderen Pflanzenbestimmungsapps haben mir besonders die leichte Bedienbarkeit und der schnelle Zugriff aufs Feldbuch gefallen. 

Bevor ich mir Naturblick installiert hatte, habe ich ab und zu die Pl@ntNet-App genutzt. Ein Vorteil von Pl@ntNet ist die große, überregionale Pflanzendatenbank. Dass eine Art partout nicht erkannt wurde, ist mir mit Pl@ntNet noch nie passiert. Mit Naturblick leider schon. 

Ein weiterer Vorteil von Pl@ntNet gegenüber Naturblick ist der große Funktionsumfang. Die Konkurrenz-App kann in Bezug auf Pflanzenbestimmung mehr, lässt sich aber auch schwerer bedienen. Als nicht sonderlich technikaffine User:in habe ich mich häufiger in den Funktionen verloren. Mit Naturblick gab es das nicht.

Pflanzen bestimmen mit Naturblick: Anleitung

Du fragst dich, wie einfach die Pflanzenerkennung mit Naturblick wirklich ist? Dann lies dir diese Anleitung durch: 

Pflanzenbestimmung per Bild-Scan 

  1. Öffne die App, klicke auf “Pflanze fotografieren” und mache ein Foto. Wähle einen Bildausschnitt aus, auf dem die Pflanze gut zu sehen ist. Klicke anschließend auf “Bestimmen”.
  2. Auf Grundlage deines Fotos werden dir nun mehrere Pflanzenarten mit Foto und Namen vorgeschlagen, die infrage kommen. Die Arten sind danach geordnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich dabei um die Pflanze von deinem Foto handelt. Zusätzlich wird die Wahrscheinlichkeit einer zutreffenden Bestimmung über ein Punkte-System angezeigt.
  3. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich bei der oben angezeigten Pflanze um die von deinem Foto handelt oder du einfach mehr darüber erfahren willst, klicke auf das Vorschaubild. So gelangst du zum Artenporträt, das dir vielfältige Informationen über die Merkmale, den Standort und die Verbreitung sowie weitere wissenswerte Fakten liefert. Zu den wissenswerten Fakten gehört zum Beispiel die Info, ob die Pflanzenart essbar ist. Praktisch, wenn du in Sachen Foraging unterwegs bist. Hast du deine Entscheidung getroffen, klicke auf “Stimmt, speichern”.  
  4. Du gelangst zum Feldbuch, in dem du deine Beobachtungen notieren kannst. Die Pflanzenart, der Beobachtungszeitpunkt und der Standort der Beobachtung sind bereits vorausgefüllt. Zusätzlich kannst du die Anzahl der Pflanzen, persönliche Beobachtungen und Notizen eintragen. Zum Schluss klickst du auf “Änderungen speichern”. Deine Beobachtung ist nun in deinem Feldbuch gesichert. Außerdem geht sie in den Datenschatz des Museums für Naturkunde Berlin ein, der Wissenschaftler:innen und Forscher:innen bei ihrer Arbeit hilft.
Screenshot des Bilderkennungsbildschirms der Pflanzenbestimmungs-App NaturblickQuelle: Screenshot: Eva Karnowski
Was kann das bloß sein? Bei diesem Kraut handelt es sich sehr wahrscheinlich um das Große Schöllkraut.

Pflanzen erkennen per Merkmal-Funktion

  1. Öffne die Naturblick-App und klicke auf “Merkmale auswählen”.
  2. Wähle eine der folgenden Kategorien aus: “Laubbäume und Ginkgo” oder “Kräuter & Wildblumen”. Wenn die Pflanze weder unter das eine noch unter das andere fällt, kannst du sie leider nicht mit der App bestimmen.
  3. Je nach Kategorie wirst du nun zu verschieden Merkmalen befragt. In der Kategorie “Kräuter und Wildblumen” kannst du z.B. auswählen, welche Farbe die Blüten haben, wie viele Blütenblätter es pro Blüte gibt, wie groß die Blüte ist, welche Blattstellung sich beobachten lässt und welche Form die Blätter haben.
  4. Nachdem du die Merkmale bestimmt hast, klicke auf “Ergebnisse”. Du erhältst eine Liste mit möglichen Pflanzenarten und kannst die passende auswählen.  

Einfach! Nicht wahr? Wenn du Lust hast, die Naturblick-App auszuprobieren, kannst du sie kostenlos im App Store und bei Google Play downloaden.

Du kannst eine andere Planzenbestimmungs-App empfehlen? Schreib es mir in die Kommentare. Ich freue mich darauf, sie zu testen!

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