Vögel füttern im Winter: Spaßiges Naturerlebnis oder Beitrag zum Artenschutz?

Ein Bergfink sitzt auf einer Futterschale aus Metall, die an winterlich kahlen Zweigen hängt
Foto: Julia Lenz

Alle Jahre wieder stellt sich mit dem Einbruch der kalten Jahreszeit die Frage: Ist es sinnvoll, Vögel im Winter zu füttern? Ein Vogelhaus oder eine Futterstation passen schließlich auf den kleinsten Balkon – und süß sind sie auch, die Singvögel, die da nach Körnern picken. Aber ist das jetzt nur ein nettes Naturschauspiel oder schützen wir damit bedrohte Arten? Und wie füttere ich überhaupt richtig, ohne Rotkehlchen, Finken und Co den Magen zu verderben? Hier erfahrt ihr mehr.

Soll man Vögel im Winter überhaupt füttern?

Auf die Frage, ob man Vögel im Winter überhaupt füttern soll, antwortet der NABU mit Ja – und zwar vor allem aus umweltpädagogischen Gründen. Wer Vögel an der Futterstelle beobachtet, lernt etwas über die Natur, das Verhalten und die Bedürfnisse der unterschiedlichen Spezies. Einen großen Beitrag zum Artenschutz und der Erhaltung der bedrohten Biodiversität in Stadt, Land und Garten leisten damit aber die wenigsten von uns. Denn die Vögel, die sich im Winter am Futterhäuschen einfinden, sind in der Regel immer die gleichen 10 bis 15 Arten – keine von ihnen ist in ihrem Bestand bedroht, wie der NABU erklärt.

Wer seltenen Singvögeln helfen möchte, ist also besser damit beraten, den Garten vogelfreundlich zu gestalten, zum Beispiel mit Tipps aus diesem Artikel von utopia.de. Oder indem man sich für den Erhalt von Biotopen einsetzt, auf denen bedrohte Spezies Zuflucht finden – das können sogar alte Industriebrachen sein.

Der NABU rät zudem dazu, nur im Winter zu füttern. Unter anderem deshalb, weil eine Ganzjahresfütterung nur einzelnen Vögeln hilft. Nahrung alleine reicht eben nicht aus, einen Bestand zu sichern oder ein Ökosystem zu erhalten. Einen Überblick zur Debatte um das Pro und Contra einer Ganzjahresfütterung – ausgelöst durch das Buch “Vögel füttern, aber richtig: Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen” von Gabriele Mohr und Peter Berthold – gibt auch dieser Text aus dem Spiegel von 2016.

Eine strahlend gelbe Goldammer, ein kleiner gelber Vogel, sitzt auf einem kahlen ZweigQuelle: Julia Lenz
Sie gehört nicht zur typischen Futterstellen-Crew. Die Goldammer ist zwar das ganze Jahr in Deutschland zu beobachten, die Vögel ziehen aber durchaus kürzere Strecken nach Süden, andere kommen aus Nord- und Osteuropa zu uns.

Worauf muss ich achten? Dos & Don’ts der Vogelfütterung

Okay, die Welt oder die heimische Biodiversität retten wir mit einem Vogelhaus auf Balkon oder Terrasse vielleicht nicht – aber sich im Winter über ein bisschen gefiederten Besuch freuen zu dürfen, ist durchaus ein valider Grund für eine Futterstelle. Worauf muss ich beim Einrichten meiner persönlichen Vogelsnackbar also achten? Auch hier haben NABU & Co. Tipps zusammengestellt:

  • Hygiene ist das A und O: Die Futterstelle muss regelmäßig gereinigt werden und die Vögel sollten nicht im Futter herumlaufen. Sonst verteilen sie schnell Krankheitserreger im Futter.
  • Den ganzen Winter füttern: Wenn man einmal angefangen hat, gewöhnen sich die Vögel an die Nahrungsquelle und verlassen sich darauf.
  • Futterspender statt Futterhäuschen: Futterspender- oder -silos, die nur ein paar Körner zur Zeit ausgeben, sind besonders hygienisch. Außerdem verhindern sie, dass sich ungebetene Gäste an der Futterstelle bedienen.
  • Futterstelle geschützt aufstellen: Es sollte weder reinregnen noch sollten sich Fressfeinde oder Futterdiebe anschleichen können.
  • Nur kleine Singvögel füttern: Während Vermieter:innen die traditionelle Singvogelfütterung gestatten müssen, ist das Füttern von großen Vögel wie Stadttauben, Krähen oder Möwen aus Gründen der Hygiene und Lärmbelästigung untersagt. Mehr dazu erfahrt ihr beim Mieterbund.

Welches Futter für welchen Vogel?

Der Futterspender steht, es regnet nicht rein und vor Katzen, Ratten und Eichhörnchen ist das Körnerbuffet auch gut geschützt. Was genau servieren wir unseren Vogelgästen dort? Ein Ratgeber des NDR differenziert nach drei Futterkategorien:

  • Weichfutter u. a. für Rotkehlchen, Amseln, Stare, Zaunkönige. Als Weichfutter gelten Haferflocken, Kleie und Mohn, aber auch Rosinen und Obst.
  • Körner u. a. für Finken, Sperlinge, Dompfaffe. Sonnenblumenkerne eignen sich hier besonders gut.
  • Meisen, Spechte oder Kleiber zählen zu den Allesfressern – sie mögen hartes und weiches Futter.

Worauf man beim Füttern außerdem achten sollte:

  • Auch wenn es sie so in jeder Drogerie zu kaufen gibt: Meisenknödel lieber nicht im Plastiknetz aufhängen. Die Meisen können sich mit den Füßen darin verfangen. Außerdem fliegen die Netze, wenn sie leer gefuttert sind, beim ersten Windhauch davon und landen als Müll sonstwo.
  • Kein Brot füttern. Nein, auch nicht an die Enten im Teich – es quillt im Magen der Vögel auf und macht sie krank.
  • Darauf achten, dass gekaufte Futtermischungen keine Verunreinigungen mit Ambrosia enthalten. Die Samen können sich aussäen und die ausgewachsene Ambrosia zählt nicht nur zu den aggressiven invasiven Spezies, ihr Pollen hat ein fünfmal höheres Allergiepotenzial als Gräserpollen und ist für Allergiker:innen gefährlich.
Eine Wacholderdrossel, ein brauner Vogel mit geflecktem Bauch, sitzt auf einem Tannenzweig auf dem Schnee liegtQuelle: Julia Lenz
Seltener Besuch: Die Wacholderdrossel ist ein Wintergast, der nicht in Deutschland brütet. Unsere Fotografin Julia hat sie dennoch vor die Kamera bekommen.

Wer besucht uns an der Futterstelle?

An alles gedacht? Dann wünschen wir euch happy birdwatching! Diese typischen Wintervögel lassen sich an Futterstellen beobachten:

  • Amsel
  • Blaumeise
  • Buchfink
  • Feldsperling
  • Grünfink
  • Haussperling
  • Kohlmeise
  • Kleiber
  • Stieglitz
  • Rotkehlchen

Martina

Mag Architektur, Tiere und Internetkultur

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.